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Schüler neu motivieren

Ben ist nichts Besonderes - denkt er. Er ist großzügig, freundlich und aufgeschlossen. Und er hat miserable Noten. Jedes Jahr gesellt sich eine weitere Vier zu seinem Durchschnitt - manchmal auch eine Fünf. Die Kopfnoten sind ebenso eindeutig. Sie sagen, er sei zu oft abgelenkt und würde seine Hausaufgaben vernachlässigen.

Er lernt jetzt nicht und er sieht auch nicht den Sinn, es für seine Zukunft zu tun.

In diesem Artikel geht es darum, jugendliche Schüler als Eltern oder Bekannte des Schülers motivieren zu lernen.

Dieses Mini-Programm ist keine Gehirnwäsche oder ein System, dass ich von jemand anderem abgeschaut habe. Es ist für Ben entstanden, das schlaue und soziale Köpfchen, das es nicht einsieht, auch nur einen Finger für seine schulischen Noten zu krümmen.

Ursachen, Auslöser und Gedanken


Ben ist KEIN Paradebeispiel eines missverstandenen, vernachlässigten Jugendlichen. Nein, er hat eine um ihn besorgte Mutter mit Migrationshintergrund, die Himmel und Hölle dafür in Bewegung setzen würde, damit es Ben gut geht.

Er hat auch ein normales sonstiges Umfeld. Genügend Freunde (und auch eine feste Freundin) in der Schule und außerhalb - auch ein Mobbing-Opfer war er nie.

Wie Sie sehen, ist er (wie er sich übrigens auch sieht) sehr normal.

Schon vor dem Knall des letzten Zeugnisses habe ich mich ein paarmal mit ihm auseinander gesetzt und wollte seinen fehlenden Ehrgeiz verstehen. Zur Antwort kam immer "Wieso sollte ich mich bessern, wenn ich doch überall 3-4 stehe?" Und fragt man ihn, was er denn mit seiner Zukunft vorhabe, kam immer: "Keine Ahnung."

Der Junge sieht also von sich aus keinerlei Notwendigkeit, sich zu bessern. Seine Mutter versucht ihn anzutreiben, sagt ihm aber nicht wofür. Für sich selbst steckt Ben keine Ziele, wozu auch, sie könnten ja einen Misserfolg mit sich bringen.

Selbstdisziplin und fehlende Ziele, für die es sich lohnt, zu arbeiten, sind der Hauptauslöser der Faulheit.

Wie Ben zur neuen Motivation kam


Tagelang habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie man bei diesem doch schon recht charakterstarken Jungen einen Umbruch erzielen könnte.

Die einzige Antwort war: Er muss es selbst wollen.

Doch das "Wollen" lässt sich lernen. Schmerzfrei, individuell und getrieben durch Selbsterkenntnis.

Ich stellte einen Fragenkatalog von 15 Fragen zusammen, die es nicht nur wert wären, von Ben beantwortet zu werden. Diese Fragen zielten auf reines "Was bin ich?" "Wie bin ich?" "Was kann ich?" und "Was will ich können?" ab. Einige Fragen sind zugegebenermaßen hart, aber meiner Meinung nach müssen manchmal Fassaden eingerissen werden, um einen guten Neuanfang zu schaffen.

Die Fragen für neue Motivation


So kurz die Liste und die Sätze sind: Sie haben es in sich. Vor allem für einen Fernseh-Jugendlichen, der kaum gewohnt ist, Selbstreflexion zu betreiben. Ben hat für die gewissenhafte Bearbeitung gut eine Stunde gebraucht. Ursprünglich war er auch schon nach 35 Minuten fertig - die Fragen 1, 7 und 14 waren unfertig oder leer. "Ich habe Zeit, Ben.", war alles was ich dazu sagte, als ich ihm das Blatt zurückschob.

Er grübelte, druckste herum und füllte es schließlich zu Ende aus. Was will man mehr? ;-)

Lassen Sie ihrem Schüler also bitte genug Zeit, ohne bedrängend zu sein.

Ich persönlich fand es auch unfair, von Ben zu erwarten, mir seine sehr persönlichen Antworten zeigen zu müssen. Daher ließ ich es ihm offen, mit mir am Ende darüber zu sprechen. Der Fragenkatalog war schließlich für ihn - nicht für mich.

Seine Mutter, geschweige denn seine Lehrer werden nie erfahren, was er genau schrieb. So die Abmachung. Er sollte es für sich tun. Für sich allein.

Hier nun endlich die Fragen:
  1. Was kannst du, was sonst keiner kann?
  2. Wie sehen dich andere?
  3. Was magst du an dir?
  4. Und was magst du nicht an dir?
  5. Wärst du gerne manchmal anders und wenn ja, wie?
  6. Wenn du eine Sache durch ein Fingerschnippen ändern kannst, was wäre das? Und warum?
  7. Nenne 10 positive Dinge an dir?
  8. Was würdest du tun, wenn die Schule JETZT für immer für dich aus wäre?
  9. Wofür ist deiner Meinung nach die Schule überhaupt gut?
  10. Was würdest du dir von der Schule wünschen?
  11. Was für eine Zukunft wünschst du dir? (Sei gerne ausführlich!)
  12. Welche Berufe findest du für dich interessant, um sie nach der Schule vielleicht auszuüben?
  13. Was musst du für diese Berufe können? Ist es realistisch, dass du mit deinem jetzigen Können und Wissen eine Ausbildung bekommen würdest?
  14. Schreibe genau auf, was sich bei dir bessern muss, damit du deine Wunsch-Zukunft verwirklichen kannst!
  15. Ist es dir wert, für deine Wunsch-Zukunft JETZT zu arbeiten?
    Wenn "JA": Schreibe dir Vorsätze für diesen Monat auf, die dich näher dahin bringen!
    Wenn "NEIN": Warum nicht?

Die Folgen


Wie Sie sehen, geht es um reine Selbst-Motivation, die mit ihm selbst, nicht mit seinen Eltern, Lehrern etc. zu tun haben.

Hätte Ben bei seinen Traumberufen aufgeschrieben, er wolle Schauspieler werden, hätte ich seine Einstellungen zu mittelmäßig-schlechten Noten verstanden. Aber er antwortete (entsprechend seiner Begabung) Grafikdesigner. Und damit formulierte er für sich die Notwendigkeit, wenigstens einen mittelmäßig-guten Notendurchschnitt zu erreichen.

Seine Vorsätze hat er selbst formuliert (durchaus realistisch, ohne sich zu überfordern) und sie seitdem mit wenigen Rückschlägen umgesetzt.

Alle zwei Wochen frage ich nebenher nach - sehe aber auch so, dass er endlich Ziele für sich formuliert hat, für die es sich lohnt, zu arbeiten.

Bild: CC 2.0 by pedro.desousa